Ich möchte euch zuerst mein Mindmap zu Minnesang zeigen:
Der Minnesang ist wie auch der Artusroman eine
höfische Dichtung. Der Begriff wird für die mittelhochdeutsche Liebesdichtung
gebraucht, welche ihre Zeit vom 12. bis 14. Jh hatte. Als Vorbild dienten die
Franzosen.
Das zentrale Thema in der Minnelyrik, ist die Beziehung
des Sängers mit der Minnedame. Sie ist meist eine adlige Dame
("vrouwe"). Es geht aber weniger um die Erfüllung der Liebe oder ein
reales Liebesverhältnis, sondern mehr um die Anhimmelung der Minne. Heute meint man mit Liebe das enge Verhältnis zwischen zwei liebenden
Menschen und die gefühlsmässige als auch die sexuelle Bindung. Das
mittelhochdeutsche Wort "Minne" hat aber mehrere Bedeutungen:
- Nächstenliebe
- Liebe Gottes zu den Menschen
- Brüderlichkeit
-verlangende Liebe des Menschen zu Gott und die von
zwei Menschen zueinander
Es gab 3 verschiedene Minnen: die hohe, die ebene
und die niedere Minne. Der Sänger, der meist durch das Land zog,
leistete seiner "vrouwe" Minedienst.
Es handelte sich zu den Anfangszeiten nie um wahre Liebe, aber mit der Zeit entwickelten die Sänger ein Verhältnis zu ihrer Minne und die Liebe wurde erfüllt.
Es handelte sich zu den Anfangszeiten nie um wahre Liebe, aber mit der Zeit entwickelten die Sänger ein Verhältnis zu ihrer Minne und die Liebe wurde erfüllt.
Die Entwicklung des Minnesangs führt auf die
Dichtungen über die heilige Jungfrau Maria, zu
höfischen französischen Minnesängern bis hin zum volkssprachigen Minnesang.
Die erste Phase
Die ersten Formen des Minnesangs enstanden um ca.
1150-70. Sie gehören zu den "donauländischen Minnedichtungen", da
sie hauptsächlich im Doanuraum vorkamen (der von Kürenberg, Meinloh von
Sevelingen). Formales Kennzeichen: angenäherte Langzeile (epische
Dichtung)
Die zweite Phase
Die zweite Phase wird als der hohe Minnesang
bezeichnet und prägte von ca. 1170-90 vorallem das Ober-und
Mittelrheingebiet (Friedarich von Hausen, Heinrich von Veldeke). Sie handeln vom
Dienstverhältnis eines Ritter und einer höfischen Dame oder Frauendienst. Teilweise wurde der
Frauendienst mit der religiösen Idee des Kreuzzugs verbunden.
"Triuwe" (Treue), "mâze" (Selbstbescheidung) und
"hoher muot" (Tapferkeit) sind oft verwendete Worte. Der hohe Minnesang
löste sich durch den Vierheber oder den Zehn- bzw. Elfsilbler von der Langzeile
ab.
Die dritte Phase
In dieser Phase war der
Höhepunkt des Minnesangs. Er wurde um ca. 1190 erreicht und die Minne wurde in dieser Zeit
von Dichtern wie Heinrich von Morungen als eine magische Kraft dargestellt.
Danach widmete man sich der niederen Minne. Dieser
Minnesang tritt dadurch hervor, dass er von der Liebe zu einem einfachen
Mädchen des einfachen Standes handelte ("wip", "maget").
Die letzte Phase
In der letzen Phase wurde auch ohne die
vorgegebenen Formen gedichtet und gesungen. Dabei entstanden auch Parodien und
Verspottungen. Im 14. Jh trat dann der Nachfolger des Minnesangs ein; der
Meistersang. Denn das höfische Rittertum galt nicht länger als kulturtragende
Schicht.
Die verzagten aller guoter dinge
Walther von der Vogelweide
Die
verzagten aller guoten dinge
wænent,
daz ich mit in sî verzaget.
ich hân
trôst, daz mir noch fröide bringe,
der ich
mînen kumber hân geklaget.
ob mir
liep von der geschiht,
sô
enruoch ich, wes ein bœser giht.
|
Die zu
allen Guten den Mut verloren haben,
galuben,
dass ich wie sie mutlos sei:
Ich
aber habe die Zuversicht, dass sie,
der ich
mein Leid geklagt habe, mir noch Freude schenken wird
Wenn
ich von ihr Liebe erfahre,
kümmert‘s
mich nicht, was irgend so ein Bösling redet
|
Nît,
den wil ich iemer gerne lîden.
frouwe,
dâ solt dû mir helfen zuo,
daz si
mich von schulden müezen nîden.
sô mîn
lîp in herzeleide tuo.
schaffe,
daz ich frô gestê,
sô ist
mir wol, und ist in iemer wê.
|
Neid zu ertragen bin ich immer
gern bereit.
Herrin, hilf mir dabei
Dass sie Grund haben, mich zu
beneiden,
indem meine Liebesfreude sie
leiden lässt.
Mach doch, dass ich froh sein
kann,
So ist mir wohl und ihnen tut
es ewig weh.
|
Friundîn
unde frouwen in einer wæte
wolte
ich an iu einer gerne sehen.
ob ez
mir sô rehte sanfte tæte,
alse
mir mîn herze hât verjehen?
friundinne,
daz ist ein süezez wort,
doch sô
tiuret frouwe unz an daz ort.
|
Geliebte
und Herrin in eins, in einem Kleid,
so
würde ich Euch gerne sehen.
Ob es
mich so glücklich machen würde,
wie es
mir mein Herz versprochen hat?
„Geliebte“,
das ist ein schönes Wort,
doch „Herrin“
ist die höchste Auszeichnung
|
Frouwe,
ich wil mit hôhen liuten schallen,
werdent
diu zwei wort mit willen mir:
sô lâze
ich dir zwei von mir gevallen,
daz si
ein keiser kûme gæbe dir.
friunt
und geselle, diu sint dîn,
sô sî
friundîn unde frouwe mîn.
|
Herrin,
ich will es jubelnd verkünden,
wenn du
mir die zwei Worte willig schenkst.
So lass
dir auch zwei von mir gefallen,
die
selbst ein Kaiser dir schwerlich geben könnte.
Geliebter
und Freund, das sind zwei Worte,
so wie
Geliebte und Herrin die meinen seien.
|
Interpretation
Die Minne wird von dem Sänger extrem verehrt. Es kommt so rüber, als würde er sie sehr lieben, aber ihre Liebe ist unmöglich bzw. wird nicht erwidert. Doch er will den Mut nicht sinken lassen und sich beweisen. Wem ist unklar, aber ich vermute es sind Menschen die auf ihn herab sehen und ihn nicht an der Seite dieser adligen Dame möchten.
Er fleht sie an, seine Liebe zu erwidern und er will sich durch ihre Liebeserklärung Neid von diesen sichern, die ihn verspotten.
Sie ist aber in einem höheren Stand als er. Wahrscheinlich auch noch verheiratet mit einem Edelmann. Wie soll sie sich auf ihren Sänger einlassen und herabsinken. Er bezeichnet sie ja auch als Herrin, vielleicht weil er für sie arbeitet (Minnedienst) oder einfach um ihr noch mehr Hochachtung zu schenken. Da nun aber die Stände eine grosse Rolle spielen, ist ihre Liebe theoretisch gesehen nicht erlaubt und sie will sich wahrscheinlich deshalb auch nicht auf ihn einlassen und ihre Liebe öffentlich bekannt geben. Dies führt eben genau zu diesem Wunsch seinerseits von anderen beneidet zu werden. Er will sie aber, falls sie die Liebe gesteht, immernoch Herrin nennen. Denn so verleiht er ihr hohes Ansehen.
In der Zeit in der Walther von der Vogelweide aktiv war, war die dritte Phase des Minnesangs. In dieser war es ja üblich die Minne als eine nahezu magische Kraft darzustellen. Später sanken sie auf die niedere Minne herab, doch dies ist hier nicht der Fall. Die Liebe war mit diesen Minnen möglich (einfacher Stand) und sie wurde anders bezeichnet: „wip“, „maget“.
Erkenntnisse:
-
Die Liebe wurde in den Anfangszeiten nicht wirklich literarisch
überliefert. Es war mehr ein Anhimmeln der adligen Damen und eine Arbeit des
dritten Standes.
Dies
Veränderte sich mit der Zeit zu realer Liebe und auch die Damen des einfachen
Standes wurden wichtig für die Dichtung. Das geschah aber verständlicherweise
erst gegen Ende des Mittelalters.