Samstag, 24. Januar 2015

Minnesang



Ich möchte euch zuerst mein Mindmap zu Minnesang zeigen:



Der Minnesang ist wie auch der Artusroman eine höfische Dichtung. Der Begriff wird für die mittelhochdeutsche Liebesdichtung gebraucht, welche ihre Zeit vom 12. bis 14. Jh hatte. Als Vorbild dienten die Franzosen.

Das zentrale Thema in der Minnelyrik, ist die Beziehung des Sängers mit der Minnedame. Sie ist meist eine adlige Dame ("vrouwe"). Es geht aber weniger um die Erfüllung der Liebe oder ein reales Liebesverhältnis, sondern mehr um die Anhimmelung der Minne. Heute meint man mit Liebe das enge Verhältnis zwischen zwei liebenden Menschen und die gefühlsmässige als auch die sexuelle Bindung. Das mittelhochdeutsche Wort "Minne" hat aber mehrere Bedeutungen:
- Nächstenliebe
- Liebe Gottes zu den Menschen
- Brüderlichkeit
-verlangende Liebe des Menschen zu Gott und die von zwei Menschen zueinander
Es gab 3 verschiedene Minnen: die hohe, die ebene und die niedere Minne. Der Sänger, der meist durch das Land zog, leistete seiner "vrouwe" Minedienst. 
Es handelte sich zu den Anfangszeiten nie um wahre Liebe, aber mit der Zeit entwickelten die Sänger ein Verhältnis zu ihrer Minne und die Liebe wurde erfüllt.
oft mit instrumentaler Begleitung


Die vier Phasen der Entwicklung

Die Entwicklung des Minnesangs führt auf die Dichtungen über die heilige Jungfrau Maria, zu höfischen französischen Minnesängern bis hin zum volkssprachigen Minnesang.

Die erste Phase
Die ersten Formen des Minnesangs enstanden um ca. 1150-70. Sie gehören zu den "donauländischen Minnedichtungen", da sie hauptsächlich im Doanuraum vorkamen (der von Kürenberg, Meinloh von Sevelingen). Formales Kennzeichen: angenäherte Langzeile (epische Dichtung)

Die zweite Phase
Die zweite Phase wird als der hohe Minnesang bezeichnet und prägte von ca. 1170-90 vorallem das Ober-und Mittelrheingebiet (Friedarich von Hausen, Heinrich von Veldeke). Sie handeln vom Dienstverhältnis eines Ritter und einer höfischen Dame oder Frauendienst. Teilweise wurde der Frauendienst mit der religiösen Idee des Kreuzzugs verbunden. "Triuwe" (Treue), "mâze" (Selbstbescheidung) und "hoher muot" (Tapferkeit) sind oft verwendete Worte. Der hohe Minnesang löste sich durch den Vierheber oder den Zehn- bzw. Elfsilbler von der Langzeile ab.

Die dritte Phase
In dieser Phase war der Höhepunkt des Minnesangs. Er wurde um ca. 1190 erreicht und die Minne wurde in dieser Zeit von Dichtern wie Heinrich von Morungen als eine magische Kraft dargestellt. Danach widmete man sich der niederen Minne. Dieser Minnesang tritt dadurch hervor, dass er von der Liebe zu einem einfachen Mädchen des einfachen Standes handelte ("wip", "maget").

Die letzte Phase
In der letzen Phase wurde auch ohne die vorgegebenen Formen gedichtet und gesungen. Dabei entstanden auch Parodien und Verspottungen. Im 14. Jh trat dann der Nachfolger des Minnesangs ein; der Meistersang. Denn das höfische Rittertum galt nicht länger als kulturtragende Schicht.



Die verzagten aller guoter dinge

Walther von der Vogelweide

Die verzagten aller guoten dinge 
wænent, daz ich mit in sî verzaget. 
ich hân trôst, daz mir noch fröide bringe, 
der ich mînen kumber hân geklaget. 
ob mir liep von der geschiht, 
sô enruoch ich, wes ein bœser giht. 

Die zu allen Guten den Mut verloren haben,
galuben, dass ich wie sie mutlos sei:
Ich aber habe die Zuversicht, dass sie,
der ich mein Leid geklagt habe, mir noch Freude schenken wird
Wenn ich von ihr Liebe erfahre,
kümmert‘s mich nicht, was irgend so ein Bösling redet
Nît, den wil ich iemer gerne lîden. 
frouwe, dâ solt dû mir helfen zuo, 
daz si mich von schulden müezen nîden. 
sô mîn lîp in herzeleide tuo. 
schaffe, daz ich frô gestê, 
sô ist mir wol, und ist in iemer wê.

Neid zu ertragen bin ich immer gern bereit.
Herrin, hilf mir dabei
Dass sie Grund haben, mich zu beneiden,
indem meine Liebesfreude sie leiden lässt.
Mach doch, dass ich froh sein kann,
So ist mir wohl und ihnen tut es ewig weh.
Friundîn unde frouwen in einer wæte 
wolte ich an iu einer gerne sehen. 
ob ez mir sô rehte sanfte tæte, 
alse mir mîn herze hât verjehen?
friundinne, daz ist ein süezez wort, 
doch sô tiuret frouwe unz an daz ort.

Geliebte und Herrin in eins, in einem Kleid,
so würde ich Euch gerne sehen.
Ob es mich so glücklich machen würde,
wie es mir mein Herz versprochen hat?
„Geliebte“, das ist ein schönes Wort,
doch „Herrin“ ist die höchste Auszeichnung
Frouwe, ich wil mit hôhen liuten schallen,
werdent diu zwei wort mit willen mir: 
sô lâze ich dir zwei von mir gevallen, 
daz si ein keiser kûme gæbe dir.
friunt und geselle, diu sint dîn, 
sô sî friundîn unde frouwe mîn.

Herrin, ich will es jubelnd verkünden,
wenn du mir die zwei Worte willig schenkst.
So lass dir auch zwei von mir gefallen,
die selbst ein Kaiser dir schwerlich geben könnte.
Geliebter und Freund, das sind zwei Worte,
so wie Geliebte und Herrin die meinen seien.


Interpretation


Die Minne wird von dem Sänger extrem verehrt. Es kommt so rüber, als würde er sie sehr lieben, aber ihre Liebe ist unmöglich bzw. wird nicht erwidert. Doch er will den Mut nicht sinken lassen und sich beweisen. Wem ist unklar, aber ich vermute es sind Menschen die auf ihn herab sehen und ihn nicht an der Seite dieser adligen Dame möchten.

Er fleht sie an, seine Liebe zu erwidern und er will sich durch ihre Liebeserklärung Neid von diesen sichern, die ihn verspotten.

Sie ist aber in einem höheren Stand als er. Wahrscheinlich auch noch verheiratet mit einem Edelmann. Wie soll sie sich auf ihren Sänger einlassen und herabsinken. Er bezeichnet sie ja auch als Herrin, vielleicht weil er für sie arbeitet (Minnedienst) oder einfach um ihr noch mehr Hochachtung zu schenken. Da nun aber die Stände eine grosse Rolle spielen, ist ihre Liebe theoretisch gesehen nicht erlaubt und sie will sich wahrscheinlich deshalb auch nicht auf ihn einlassen und ihre Liebe öffentlich bekannt geben. Dies führt eben genau zu diesem Wunsch seinerseits von anderen beneidet zu werden. Er will sie aber, falls sie die Liebe gesteht, immernoch Herrin nennen. Denn so verleiht er ihr hohes Ansehen.

In der Zeit in der Walther von der Vogelweide aktiv war, war die dritte Phase des Minnesangs. In dieser war es ja üblich die Minne als eine nahezu magische Kraft darzustellen. Später sanken sie auf die niedere Minne herab, doch dies ist hier nicht der Fall. Die Liebe war mit diesen Minnen möglich (einfacher Stand) und sie wurde anders bezeichnet: „wip“, „maget“.



Erkenntnisse:

- Die  Liebe wurde in den Anfangszeiten nicht wirklich literarisch überliefert. Es war mehr ein Anhimmeln der adligen Damen und eine Arbeit des dritten Standes. 
Dies Veränderte sich mit der Zeit zu realer Liebe und auch die Damen des einfachen Standes wurden wichtig für die Dichtung. Das geschah aber verständlicherweise erst gegen Ende des Mittelalters.